8 Stunden Arbeit sind vorbei….

1972 erscheint das zweite Studio-Album der Ton Steine Scherben: Keine Macht für Niemand. Musik zur Agitation und Ausweitung einer kritischen, revolutionären Gestimmtheit unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten, die sich immer wieder direkt an die Arbeiterklasser bzw. die Werktätigen richtet. Mit Blues-Rock und melodiösen Refrains werden Ungerechtigkeiten und Missstände benannt und zum Widerstand aufgerufen.

Feierabend beschreibt einen stereotypen Alltag, die Vorstellung von entfremdeter Arbeit, die auf eine gleichsam entfremdete Freizeit trifft und in einem Aufruf zur Gewalt mündet:

Acht Stunden Arbeit sind vorbei / Es sieht ganz so aus, als wrst du frei / Kannst dich vollaufen lassen / Kannst ins Kino gehen / Und du kannst dein Geld im Puff ausgeben / Es ist Feierabend und die Arbeit ist vorbei / Rück den Kies raus, Junge, und du bist dabei / Hast ’ne Pause verdient, aber wer auch nicht / Morgen gehts weiter, warte nicht / Spring mitten rein ins se Leben / Du brauchst dein Geld nicht der Heilsarmee geben / Es ist Feierabend und die Arbeit ist vorbei / Heut ist Tanz auf dem Vulkan und du bist dabei / Besuch doch heute Abend deinen Chef / Und fahr mit seinem Mercedes weg / Gib ihm doch endlich seinen Lohn / Mach dich auf die Socken, er wartet schon / Es ist Zahltag, Junge, und die Arbeit ist vorbei / Tu, was du tun willst und du bist frei / Frei!

In dem Video singt Nikel Pallat im Chor, der auch eine Zeit lang Manager der Band war. Zum Thema Feierabend und Grenzziehungen schuf er bereits ein Jahr vorher, also 1971, ein durchaus symbolträchtigen Bild, das bis heute in kaum einen zeithistorischen Rückblick fehlen darf:

In der WDR-Talkshow „Ende offen“ diskutierten 1971 eine Stunde lang die Musiktheoretiker Heinz-Klaus Metzger und Hans G Helms, der Krautrock-Produzent Rolf-Ulrich Kaiser, der Musiker Wolf Conrad Veit und Nikel Pallat darüber, ob eine Musik mit gesellschaftskritischem Anspruch als ganz normales Marktprodukt produziert und gehandelt werden dürfe.  Mit den Worten „Fernsehen ist ein Unterdrückungsinstrument in dieser Massengesellschaft […] man muß parteiisch sein […], und deswegen mach ich jetzt hier diesen Tisch mal kaputt, ja“ zog Pallat ein Handbeil hervor und versuchte mit zwölf teils beidhändig ausgeführten Hieben den Studiotisch zu zertrümmern. Gläser und Aschenbecher zersprangen zwar in Scherben, aber der Tisch hielt stand, worauf Pallat mit dem Kommentar „so, jetzt können wir weiterdiskutieren“ seine Bemühungen einstellte, sich jedoch alsbald daran machte, Tontechnik abzubauen und einzustecken, mit dem Hinweis „die Mikrophone brauche ich für Leute, die in Jugendstrafanstalten sitzen“. (Quelle)

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